Alpnach, Schweiz, 23.05.2007 | Die Klinik für Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen hat mit rund 1000 Patienten ein neu entwickeltes System zur Erhöhung der Patientensicherheit erfolgreich getestet. Die verwendete Technologie der Radio Frequenz Identifikation (RFID) hilft, Verwechslungen aller Art im Spital zu vermeiden und Blutkonserven richtig zuzuordnen.
Im Rahmen eines Pilotprojektes hat die Klinik für Chirurgie in St. Gallen zum ersten Mal die RFID-Technologie im Spital umfassend eingesetzt, mit dem Ziel, die Patientensicherheit zu erhöhen. "Verwechslungen oder Beinhahe-Verwechslungen sind in Spitälern häufig – auch wenn diese zum Glück meistens keine schwerwiegenden Folgen nach sich ziehen. Ausländische Studien haben gezeigt, dass bis zu 16% aller Spitalpatienten von Zwischenfällen betroffen sein können und 50% davon verhinderbar wären. "Unser Ziel ist es, schwere Komplikationen im Spital so weit wie möglich zu reduzieren.
Mit unserem Projekt wollten wir testen, ob die RFID-Technologie im Spital sinnvoll und effizient für die Patientensicherheit einsetzbar ist", sagt Thomas Steffen, Projektverantwortlicher und Oberarzt an der Klinik für Chirurgie. Drei Anwendungen wurden geprüft: Erstens die sichere Identifikation der Patienten im Operationssaal, zweitens die eindeutige Zuordnung von Blutkonserven zu den Patienten und drittens die Zuordnung von OP-Programmen (Arbeitslisten). Über einen Zeitraum von rund 6 Monaten wurden knapp 1000 Patienten bei Spitaleintritt mit einem Armband, das einen elektronischen Chip mit eindeutiger Nummer enthielt, versorgt, welches Sie ab diesem Zeitpunkt während Ihres Spi-talaufenthaltes begleiten sollte. Dank der Nummer waren auch Datenschutzprobleme von Beginn an ausgeschlossen. Durch die entsprechende elektronische Kennzeich-nung der Blutkonserven war es möglich, jedem Patienten das richtige Blut zuzuordnen. Im Operationssaal konnten die Patienten – unabhängig vom Wachheitszustand– eindeutig anhand Ihres RFID-Armbandes identifiziert werden. Verwechslungen konnten dadurch ausgeschlossen werden.
Mehrheitlich positive Resonanz
Die Klinik für Chirurgie hat mit diesem Projektes weltweit zum ersten Mal ein vollautomatisches Qualitätssicherungs- und Optimierungssystem im Spital eingesetzt. Die Befragung der teilnehmenden Mitarbeiter und Patienten fiel überwiegend positiv aus. Die Mehrheit der Befragten gab an, die RFID-Technologie erhöhe die Sicherheit im Spital. Auch wenn die bisherigen Sicherheitsstandards in Schweizer Spitälern schon sehr gut sind.
Ein intelligentes System, das sich selbst kontrolliert
Die Radio Frequenz Identifikation (RFID) ist in Bereichen der Logistik eine bewährte Technologie, der sich ständig neue Anwendungsgebiete erschliesst. Die Tageskarte beim Skifahren, mit der sich das Drehkreuz zum Skilift berührungslos öffnen lässt, ist nur ein Beispiel und nicht mehr von den Pisten wegzudenken. Ein grosser Vorteil der RFID-Technologie gegenüber dem weit verbreiteten Barcode ist die Möglichkeit, die Information nachträglich zu verändern. Auf kleinen Etiketten werden per Funk die Informationen gespeichert und sind so auch veränderbar und auslesbar. "Das Be-sondere und Neue bei unserem Projekt war die bereichsübergreifende, automatische und zeitnahe Online-Dokumentation der Arbeitsabläufe", sagt Dr. Christian Kern, technischer Leiter der Firma InfoMedis AG, welche das Hard- und Softwaresystem lieferte. Tatsächlich ist RFID bisher noch nicht in dieser Komplexität eingesetzt wor-den, wie im Kantonsspital St. Gallen.
Das System kontrollierte sich bei den Abläufen selbst. Jede RFID-Aktivität wurde in einer Datenbank mit Zeit, Ort und Identifikationsnummer des Patienten gespeichert. Der nächste Schritt galt der Analyse dieser Aktivitäten anhand von Nummer, Ort und Zeit. Somit konnte für jeden Patienten der genaue Ablauf der durchgeführten Handlungen abgebildet werden. Fehler wurden auf diese Weise genauso dokumentiert wie korrekte Handlungen. Das System hat erkannt, wo häufig Fehler im Arbeitsablauf auftraten. Im durchgeführten Pilotprojekt konnten 80% aller RFID-Aktivitäten als korrekte Handlungen identifiziert werden. Die verbleibenden 20% zeigten Schwachstellen in den Arbeitsabläufen auf. Das ist mehr als erwartet. An diesen Stellen kann der Arbeitsablauf überprüft und optimiert werden.
RFID und Patientenarmband bald als Standard in Schweizer Spitälern?
In den USA sind Patientenarmbänder zur Identifikation bereits Vorschrift, meist handelt es sich dabei um eine einfache Beschriftung oder einen Barcode. In zahlreichen Ländern wurden bereits ähnliche Projekte mit RFID-Armbändern an Patienten durchgeführt. Die meisten kamen über rein logistische Anwendungen nicht hinaus. Die RFID-Technologie als "intelligentes" System im Krankenhaus zu nutzen ist neu.
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